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		<title>Verwandt, verschwägert, verwirrt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[poltmanns-presse]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 May 2025 19:32:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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<div class="et_pb_section_0 et_pb_section et_section_regular et_block_section"><div class="et_pb_row_0 et_pb_row et_block_row"><div class="et_pb_column_0 et_pb_column et_pb_column_4_4 et-last-child et_block_column et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough"><div class="et_pb_text_0 et_pb_text et_pb_bg_layout_light et_pb_module et_block_module"><div class="et_pb_text_inner"><p>Wir hatten Lothar schon eine Weile nicht gesehen. Das letzte Mal erzählte er mit leuchtenden Augen, dass er eine Witwe kennengelernt hatte – „tolle Frau, reife Liebe, keine Komplikationen“. So weit, so romantisch.</p>
<p>SeppGPT und ich freuten uns ehrlich für ihn. Und dann tauchte er neulich wieder auf – blasser als sonst.</p>
<p>„Leute“, sagte er, „ihr schreibt doch diese Satiregeschichten. Ich hab da was. Echt jetzt. Was ganz Privates.“</p>
<p>SeppGPT klappte neugierig sein virtuelles Notizbuch auf. Ich bot ihm Kaffee an. Lothar lehnte ab. Zu aufgewühlt.</p>
<p>Dann begann er zu erzählen.</p>
<p>„Also, ihr wisst ja – ich hab eine Witwe geheiratet.“</p>
<p>Wir nickten. Das war der Stand, den wir kannten.</p>
<p>„Was ich euch nicht erzählt habe: Die hatte eine zwanzigjährige Tochter. Und diese Tochter hat – haltet euch fest – meinen Vater geheiratet.“</p>
<p>Ich hielt mich fest. SeppGPT stockte kurz im Tippen.</p>
<p>„Mein Vater wurde dadurch mein Schwiegersohn“, sagte Lothar.<br />„Und meine Stieftochter … wurde meine Stiefmutter.“</p>
<p>Ich fragte nichts. Ich wollte nicht stören.</p>
<p>„Aber warte“, fuhr er fort, „das war noch harmlos. Meine Frau bekam mit mir einen Sohn. Der ist – formal gesehen – der Schwager meines Vaters. Und gleichzeitig mein Onkel. Als Bruder meiner Stiefmutter.“</p>
<p>SeppGPT notierte: „Verwandtschaftlicher Zwiebelschalenaufbau“</p>
<p>„Und vorgestern“, sagte Lothar, „hat meine Stieftochter – also meine Stiefmutter – noch einen Sohn bekommen.“<br />„Der ist jetzt mein Bruder. Und mein Enkel.“</p>
<p>„Ich“, sagte Lothar, „bin also der Ehemann meiner Frau – und ihr Enkel. Weil ich der Sohn ihres Schwiegersohns bin.“</p>
<p>SeppGPT piepte leicht. Das bedeutet emotionaler Ausnahmezustand.</p>
<p>„Meine Frau“, fuhr Lothar ungerührt fort, „ist also meine Großmutter. Und da der Mann meiner Großmutter mein Großvater ist, bin ich – genau betrachtet – mein eigener Großvater.“</p>
<p>Ich schaute SeppGPT an.<br />„Und was sagst du, wenn dich jemand auf einer Familienfeier fragt, wer du bist?“</p>
<p>Lothar grinste schief.<br />„Ich sag einfach: Ich bin Lothar. Ich gehöre irgendwie dazu.“</p>
<p>Wir werden das natürlich aufschreiben. Vielleicht unter dem Titel:<br />„Familienleben – für Fortgeschrittene“.<br />Oder: „Verwandt, verschwägert, verwirrt“.</p>
<p>Ich begann gedanklich einen Stammbaum zu zeichnen, kam aber nur bis zur dritten Linie – dann wurde es ein Labyrinth.</p>
</div></div></div></div><div class="et_pb_row_1 et_pb_row et_block_row"><div class="et_pb_column_1 et_pb_column et_pb_column_4_4 et-last-child et_block_column et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough"><div class="et_pb_module et_pb_button_module_wrapper et_pb_button_0_wrapper"><a class="et_pb_button_0 et_pb_button et_pb_bg_layout_light et_pb_module et_block_module" href="https://presse.seppgpt-und-ich.de/wp-content/uploads/2025/06/Verwandt-verschwaegert-verwirrt.pdf">Diese Geschichte als PDF downloaden</a></div><div class="et_pb_text_1 et_pb_text et_pb_bg_layout_light et_pb_module et_block_module"><div class="et_pb_text_inner"><p>Nur zur internen redaktionellen Prüfung. Bitte nicht veröffentlichen oder weitergeben.</p>
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		<title>Gutenbergs letzte Seiten</title>
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		<pubDate>Thu, 29 May 2025 19:31:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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<div class="et_pb_section_2 et_pb_section et_section_regular et_block_section"><div class="et_pb_row_4 et_pb_row et_block_row"><div class="et_pb_column_4 et_pb_column et_pb_column_4_4 et-last-child et_block_column et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough"><div class="et_pb_text_4 et_pb_text et_pb_bg_layout_light et_pb_module et_block_module"><div class="et_pb_text_inner"><p>Die Siebziger! Schlaghosen waren modern, Telefone hatten Wählscheiben, Türen wurden ohne Code geöffnet – zur Sicherheit hatte man einen Zweitschlüssel. Es war auch eine Zeit, in der Handwerk und Leidenschaft noch die Oberhand hatten, besonders in dem Verlag, in dem ich arbeitete.</p>
<p>Ich kümmerte mich um Kunden, Anzeigen, Konzepte und neue Ideen. Praktisch die Zutaten für unser Anzeigenblatt. Doch ohne das Team in der Setzerei wäre das alles nicht möglich gewesen.</p>
<p>Bleisatz hieß das Zauberwort. Kein Cursor, kein Klick – nur fein säuberlich sortierte Metallbuchstaben. Künstlerisch arrangiert von Setzern, die mit Winkelhaken, ruhiger Hand und fast stoischem Ernst die Seiten aus Blei erschufen. Diese Meisterwerke wurden anschließend mit einer Schnur umwickelt – nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern aus Respekt vor der filigranen Arbeit. Anschließend fanden sie ihren Platz sie in unseren selbstgebauten Spezialschrank mit 48 Fächern, je Seite hatte ihr eigenes Fach, maßgeschneidert und festgezurrt im Kleintransporter. Wir waren stolz. Eine geniale Lösung, dachten wir.</p>
<p>Dann kam die Nacht.</p>
<p>Es war Winter. Glatte Straßen. Axel, unser Fahrer, hatte den Schatz verladen, den Schrank verriegelt und freute sich geistig längst auf einen warmen Glühwein daheim. Alles lief nach Plan – bis ein Auto um die Ecke fuhr und ins Rutschen geriet. Es gab keinen Unfall, nur einen kleinen Schubs, der jedoch ausreichte, um den Schrank umzuwerfen.</p>
<p>Mit einem Ruck sprang die Schranktür auf. Die sorgfältig verschnürten Buchstaben und Zeilen hielten dem Sturz nicht stand. Der Schriftsatz explodierte regelrecht – Bleilettern segelten wie metallene Schneeflocken durch den Laderaum. Ein Alptraum. Von 48 Seiten waren 20 nur noch Erinnerung, der Rest:  noch intakt, jedoch stellenweise lückenhaft – aber immerhin noch brauchbar.</p>
<p>Die Setzer – wahre Helden dieser Nacht – sortierten, setzten zusammen, was zusammengehörte, und lieferten der Druckerei am Ende eine Ausgabe ab wie ein modernes Kunstwerk: Man verstand nicht alles, aber man sah, dass sich jemand Mühe gegeben hatte.</p>
<p>Der Verleger, Herr Janz, bislang überzeugter Digitalgegner, sah das Chaos, seufzte leise – und sagte: „Eine Fotosatzmaschine muss her. Sofort!“ Ohne Bleilettern. Ohne Schnur. Ohne Transportabenteuer.</p>
<p>Heute verschiebt man Texte mit einem Mausklick, als wäre das nichts. Aber wer nie in einem Lieferwagen voller verstreuter Satzzeichen gestanden hat, weiß nicht, was Typografie im wörtlichen Sinne bedeutet.</p>
<p>Und doch: Manchmal vermisse ich sie. Die Geräusche, den Geruch, die Zeilen aus Blei.</p>
<p>Aber nur ganz kurz.</p>
<p>Bye-bye, Gutenberg.</p>
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		<title>Bier und klare Worte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[poltmanns-presse]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 May 2025 19:30:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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<div class="et_pb_section_4 et_pb_section et_section_regular et_block_section"><div class="et_pb_row_8 et_pb_row et_block_row"><div class="et_pb_column_8 et_pb_column et_pb_column_4_4 et-last-child et_block_column et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough"><div class="et_pb_text_8 et_pb_text et_pb_bg_layout_light et_pb_module et_block_module"><div class="et_pb_text_inner"><p class="my-0">Es beginnt harmlos. Ein lauer Sommerabend, ein Straßenfest.<br />Aus den Lautsprechern kam Musik im Neunziger-Sound.<br />Das Beste? Man konnte sich super unterhalten, weil's nicht zu laut war. Ich sitze am Biertisch, halb im Schatten, halb im Gespräch mit Bekannten. Die Stimmung ist entspannt – bis das Thema Politik aufkommt.</p>
<p class="my-0">„Also ich sag’s mal so: Der Trump, der hat wenigstens mal durchgegriffen.“</p>
<p class="my-0">Plötzlich Stille. Die Gespräche stocken, ein paar Blicke wandern über den Tisch.</p>
<p class="my-0">Dann legt er nach:<br />„Und bei uns? Da wär’s auch mal Zeit für Klartext. Nicht dieses ewige Drumherumreden von den Altparteien. Ich finde die da gut, die mit dem blauen Logo – du weißt schon, welche ich meine.“</p>
<p class="my-0">Er schaut mich direkt an. „Oder siehst du das anders?“</p>
<p class="my-0">Ich nehme einen Schluck, stelle mein Glas ab und antworte ruhig:<br />„Ja, ich sehe das tatsächlich anders. Ich bin froh, dass wir in einer Demokratie leben – auch wenn manchmal alles länger dauert und nicht jeder Vorschlag begeistert. Aber wenigstens wird gestritten, abgestimmt, erklärt. Mir ist das lieber, als wenn einer einfach entscheidet und alle anderen nur zustimmen dürfen.“</p>
<p class="my-0">Er winkt ab. „Aber die haben doch 20 % bei der letzten Wahl bekommen. Und das wird einfach ignoriert! Das ist doch nicht demokratisch.“</p>
<p class="my-0">Ich nicke. „Doch, genau das ist Demokratie. Dass diese 20 % ihre Meinung sagen dürfen – aber eben auch, dass die anderen 80 % widersprechen können. Demokratie heißt nicht, dass jede Meinung zur Mehrheit wird, sondern dass jede gehört wird. Und manchmal heißt es eben: Danke für eure Meinung, diesmal hat sich eine andere durchgesetzt.“</p>
<p class="my-0">Am Tisch wird wieder getrunken, einige schauen in ihre Gläser. Einer nickt leise.</p>
<p class="my-0">Niemand wird laut, niemand ruft „Halt’s Maul“. Das ist gut so.</p>
<p class="my-0">Ich nehme noch einen Schluck. Das Bier ist mittlerweile lauwarm. Aber es ist mein Bier – gebraut, kontrolliert, versteuert, frei verkauft. So soll es sein.</p>
<p class="my-0">Am Ende des Abends sitze ich zu Hause, denke nach und frage mich, ob ich die richtigen Worte gefunden habe. Demokratie ist oft unbequem – für alle Seiten. Aber vielleicht reicht es manchmal, freundlich zu sein, zuzuhören und ehrlich zu bleiben.</p>
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